Arbeitsgruppe Berufsbezogene politische Bildung (AG BpB)

Aktuelles

Politische Bildung an beruflichen Schulen: Stand und Perspektiven

bpb/KMK-Fachtagung am 02.12.2019, Hessische Landesvertretung Berlin

Die von der bpb und KMK alljährlich organisierte Tagung nahm in diesem Jahr die politische Bildung an berufichen Schulen in den Blick. Ausgangspunkt und thematische Grundlage der Tagung bildeten die im Monitor berufliche Bildung (Besand 2014) identifizierten Ansatzpunkte, u.a.

  • Ausrichtung der zentralen Abschlussprüfungen und Rahmenpläne
  • Perspektiven einer didaktischen Konzeption berufsbezogener politischer Bildung
  • Perspektiven der Aus- und Fortbildung von Lehrkräften berufsbezogener politischer Bildung
  • Heterogenität in Lerngruppen als Herausforderung an beruflichen Schulen
  • Zur Bedeutung politischer Bildung an beruflichen Schulen angesichts antidemokratischer Tendenzen und politischer Polarisierung

In Keynotes, Podien und Arbeitsgruppen wurde kritisch aufgearbeitet und bilanziert, aber auch mit realistischem Optimismus nach vorne geschaut. Die Tagung wurde durch Beiträge aus dem GPJE-Arbeitsgruppe Berufsbezogene politische Bildung maßgeblich inhaltlich gestützt.

Näheres dazu:
http://www.bpb.de/lernen/projekte/293460/politische-bildung-an-beruflichen-schulen-stand-und-perspektiven

Fachtagung Politik auf den „Hochschultagen Berufliche Bildung 2019“

Im Rahmen der 20. Hochschultage Berufliche Bildung 2019 in Siegen zum Thema „Digitalisierung“ fand vom 12.-13.3.2019 eine Fachtagung der Arbeitsgruppe unter dem Titel „Politische Bildung an beruflichen Schulen im Kontext einer digitalisierten Arbeitswelt“ statt.

Näheres dazu:
https://www.berufsbildung.nrw.de/cms/veroeffentlichungen/hochschultage-bb-2019/fachtagungen-2019/15-politik/15-politik.html


Zur Arbeitsgruppe Berufsbezogene politische Bildung

Die Arbeitsgruppe Berufsbezogene politische Bildung wurde im Rahmen der 19. Hochschultage Berufliche Bildung im Anschluss an die Fachtagung „Politik- und Wirtschaftslehre“ am 13.03.2017 gegründet. Vom 10.–12.10.2018 fand an der Georg-August-Universität zu Göttingen die Auftakttagung der Arbeitsgruppe statt, in der sich über die grundlegende Ausrichtung, gemeinsame Ziele und Positionen sowie das weitere Vorgehen der Arbeitsgruppe verständigt wurde. Als strukturelle Rahmung für Kontakt-, Austausch- und Kooperationsanlässe innerhalb der Arbeitsgruppe dient die Jahrestagung der GPJE sowie die im Zweijahresrhythmus stattfindende Fachtagung Politik- und Wirtschaftslehre auf den Hochschultagen Berufliche Bildung. Diese Foren sollen vor allem zur Vorstellung und Diskussion laufender Projekte und Arbeiten dienen.

Gemessen an der Schüler*innenanzahl sind die beruflichen Schulen die größte weiterführende Schulart der Bundesrepublik. Das Fach Politik, Wirtschafts-, Sozial- oder Gemeinschaftskunde, welches im Folgenden als „Politikunterricht“ zusammengefasst wird, hat in diesen Schulen traditionell einen hohen Stellenwert, der bislang nicht in Frage gestellt wurde. Politik ist so das einzige allgemeinbildende Fach, das durch die Abschlussprüfungen „Wirtschafts- und Sozialkunde“, institutionell in allen dualen Ausbildungsgängen verankert ist. Zudem besitzt die bildungstheoretische Verknüpfung politischer und beruflicher Bildung (Kerschensteiner 1901) eine lange Tradition. Allein die Plausibilität einer solchen Verknüpfung erwies sich jedoch nicht als hinreichend, um einen eigenständigen und institutionell abgesicherten Forschungsbereich zu etablieren, sodass Forschungsarbeiten zur politischen Bildung und politischen Bildungsprozessen an beruflichen Schulen rar gesät sind. Allein einigen unermüdlichen Personen wie Peter Weinbrenner oder Eberhard Jung, die sich bereits in den 80er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts über die Fachtagungen auf den Hochschultagen Berufliche Bildung kontinuierlich mit aufkommenden Fragen dieses Bildungsbereichs befassten und den Literaturbestand erweiterten, ist es zu verdanken, dass die Arbeitsgruppe bereits auf eine fachliche Basis zurückgreifen kann.

Forschungsperspektive: Jüngere Forschungsarbeiten sind zumeist von eigenständigen Projektinitiativen ausgegangen, die sich wenig aufeinander beziehen. Eben deshalb strebt die Arbeitsgruppe die Schaffung einer größeren Kohärenz der Forschungsarbeiten zur berufsbezogenen politischen Bildung an, um den Bildungsbereich sichtbarer zu machen. Hierzu werden folgende Aspekte fokussiert:

  • eine inhaltliche Bündelung und Koordinierung von Forschungsfragen, um entsprechende Schwerpunkte des Feldes herausbilden zu können
  • eine standortübergreifende Kooperation, um regionale Aspekte und Perspektiven vergleichend zur Diskussion zu stellen
  • eine systematische Bearbeitung bereits bestehender theoretischer Ansätze, Konzepte und Befunde
  • eine Bündelung der an den Standorten ausgebildeten forschungsmethodischen, aber auch unterrichtspraktischen Expertisen, um diese für andere nutzbar zu machen (z.B. Unterrichtsreportagen, Grammes)
  • Forschungsgrundlagen für die Herausforderungen politischer Bildung in der Arbeitswelt und Berufsschulbildung schaffen

Für eine inhaltliche Ausgestaltung scheint es zudem notwendig, darüber nachzudenken, ob politische Bildung an beruflichen Schulen andere Bezugswissenschaften benötigt, als die aus den allgemeinbildenden Schulen bekannten. Eine Perspektiverweiterung bezüglich relevanter Bezugswissenschaften könnte dabei helfen, den Kern des Faches zu konkretisieren:

Hochschuldidaktische Perspektive: Aufgrund der hohen Schüler*innenzahl an den beruflichen Schulen werden eine hohe Anzahl gut ausgebildeter Politiklehrer*innen benötigt. Die AG Berufsbezogene politische Bildung betont deshalb mit Nachdruck, dass die politikdidaktische Ausbildung von Lehramtsstudierenden für das berufliche Lehramt einen höheren Stellenwert im Bewusstsein der entsprechenden Hochschullehrer*innen zugesprochen werden muss.

Hierzu muss der Berufs- und Arbeitswelt bereits in der universitären Ausbildung der Politik*lehrerinnen für Berufsschulen mehr Bedeutung zukommen. Erste Überlegungen hierzu lauten:

  • Das Spannungsfeld „Beruf-Arbeitswelt-Politik“ sollte in der Lehrer*innenbildung (ständig) thematisiert, (als Veranstaltung) implementiert und (sozialwissenschaftlich) konkretisiert werden.
  • Auf universitärer Ebene lässt sich eine sinnvolle Verknüpfung von politischer Bildung und dem Ausbildungsberuf über Seminar- und Abschlussarbeiten herstellen, in denen berufs- oder arbeitsweltspezifische Bedingungen und Probleme aus einer sozialwissenschaftlichen Perspektive bearbeitet werden.
  • Obschon bei der Auftakttagung keine systematische und vergleichende Darstellung der standortspezifischen Curricula erfolgte, wurde in den Diskussionen und Präsentationen deutlich, dass für die Lerngruppe (werdende Berufsschullehrer*innen) ein feldspezifischer Praxisbezug (Politikunterricht an Beruflichen Schulen) besonders relevant ist.

Veröffentlichungen

https://www.berufsbildung.nrw.de/cms/veroeffentlichungen/hochschultage-bb-2019/fachtagungen-2019/15-politik/15-politik.html

Christine Barp / Martin Kenner: Politische Bildung an beruflichen Schulen im Kontext einer digitalisierten Arbeitswelt – Tagungsdokumentation und Editorial zu den Tagungsbeiträgen. (PDF 60.2 KB)

Olaf Katenkamp: Faktor Mensch in der Arbeitswelt 4.0 – Anforderungen, Spielräume und Einschränkungen. (PDF 461 KB)

Christine Barp: Digitalisierung als Thema im berufsbildenden Politikunterricht – oder: Zur Bedeutsamkeit politischer Bildung in der dualen Ausbildung. (PDF 185 KB)

Martin Kenner: Digitale Medien im politischen Unterricht - Eine Analyse aus didaktischer Sicht.  (PDF 260 KB)

Dipl.-Wirtl. Sebastian Schmitz: Rechtspopulistische Memes in WhatsApp – Eine Annäherung an den Gegenstandsbereich propagandistischer Memes und deren Thematisierung im politischen Unterricht. (PDF 728 KB)


Tagungsdokumentation 

Vom 10. bis 12. Oktober 2018 fand die Auftakttagung der Arbeitsgruppe an der Georg-August-Universität zu Göttingen statt. Weitere Informationen entnehmen Sie dem Flyer und dem Programm.

 

Ansprechpartner*innen

Dr. Martin Kenner
Institut für Erziehungswissenschaft
Abt. Berufs- und Wirtschafts- und Technikpädagogik (BWT)
Universität Stuttgart,
Geschw.-Scholl-Str. 24D,
D-70174 Stuttgart
Tel: +(49)711 685 83187
E-Mail: kenner@bwt.uni-stuttgart.de

Christine Engartner
RWTH Aachen
Institut für Politikwissenschaft
Theaterstraße 35-39
52062 Aachen
E-Mail: christine.engartner@ipw.rwth-aachen.de

 

Prof. Dr. Anja Besand
Professur für Didaktik der politischen Bildung
Institut für Politikwissenschaft
Technische Universität Dresden
Gerberbau Bergstraße 53,
D-01062 Dresden
Tel: (+49)351 463 35050
Sek. (+49)351 463 35827
E-Mail: anja.besand@mailbox.tu-dresden.de